Engagement lebt von guten Ideen und dem Mut, sie umzusetzen. Die hier vorgestellten Praxisbeispiele sollen inspirieren, eigene Ideen anstoßen und Mut machen, selbst aktiv zu werden.

Die Beispiele zeigen das Engagement verschiedener Gruppen vor Ort. Eine der Maßnahmen wurde unter anderem vom Gewässerbündnis mitgeplant und umgesetzt. Haben Sie ein eigenes Beispiel oder eine Idee, die andere motivieren könnte? Dann melden Sie sich gerne bei uns.

Neustrukturierung von Eger und Sechta

© Fotos: Günter Volk

Sechta und Eger wurden – wie viele andere Fließgewässer – bereits in den 1930er-Jahren stark ausgebaut: In ein geradliniges, tief eingeschnittenes Gewässerbett gezwängt und die Ufer vielfach mit Steinen befestigt, gingen natürliche Strukturen und Lebensräume weitgehend verloren. Der Hege- und Fischereiverein Eger e. V. mit Sitz in Bopfingen hat die Eger auf der Gemarkung Bopfingen gepachtet und bewirtschaftet diesen Abschnitt seit über 45 Jahren. Im Laufe der Zeit nahm der fischereiliche Ertrag der Eger jedoch stetig ab. Verschiedene Maßnahmen, wie etwa Fischbesatz, konnten dem kaum entgegenwirken, da die ausgeprägte Strukturarmut des Gewässers den Erfolg stark begrenzte. Vor diesem Hintergrund entschloss sich der Verein, die Gewässerstruktur gezielt zu verbessern. Im Jahr 2012 wurde im Rahmen eines Schulprojekts ein erster Versuch gestartet: Auf einem rund 30 Meter langen Abschnitt wurden Totholz und Störsteine eingebracht. Die positiven Effekte stellten sich schnell ein. Motiviert durch diese Erfolge engagiert sich der Fischereiverein seither kontinuierlich weiter. In enger Abstimmung mit der Stadtverwaltung und mit einem kleinen Maß an finanzieller Unterstützung wurden in zahlreichen ehrenamtlichen Arbeitsstunden bislang rund 1.200 Meter der Eger und etwa 1.500 Meter der Sechta durch den Einbau von Störsteinen und Totholz ökologisch aufgewertet und strukturell vielfältiger gestaltet. Ergänzend wurden die Ufer mit standorttypischen Gehölzen bepflanzt, um der starken Erwärmung der Gewässer im Sommer entgegenzuwirken und langfristig bessere Lebensbedingungen für Flora und Fauna zu schaffen.

Besondere Herausforderungen und Lösungen: Ein großer Teil der Arbeit besteht in der Abstimmung mit den zuständigen Behörden. So wird sichergestellt, dass die Maßnahmen auch im Hinblick auf den Hochwasserschutz sicher sind. Gleichzeitig müssen Naturschutzaspekte wie Fischschonzeiten oder Vogelschutzzonen berücksichtigt werden. Durch eine frühzeitige und sorgfältige Planung können diese Anforderungen miteinander in Einklang gebracht werden.

Weitere Informationen zum Projekt finden sie hier.

  • Zeitpunkt der Maßnahme: 2015 bis heute
  • Gewässername: Eger und Sechta
  • Beteiligte Gruppen: Hege- und Fischereiverein Eger e.V. mit Sitz in Bopfingen, Fachbehörden
  • Ansprechperson: Erich Wuttke (Gewässerwart HFV Eger Bopfingen)
  • info@fischereiverein-bopfingen.de
Optimierung von Kieslaichhabitaten für rheophile Fischarten am Neckar in Tübingen

© Fotos: Christian Geitz

Kies ist als Laichhabitat für viele Fischarten und als Lebensraum für viele kleine wirbellose Wasserbewohner von zentraler Bedeutung. In vielen Flüssen fehlt jedoch heutzutage dieser notwendige Kies, weil Querbauwerke wie Wehre den natürlichen Geschiebetransport unterbrechen. Der Kreisfischereiverein Tübingen hat dieses Problem in ihrem Flussabschnitt am Neckar erkannt und beschlossen, aktiv etwas für eine bessere Lebensraumqualität zu tun. So entstand die Idee, den fehlenden Kies lokal durch eine Kieszugabe zu ersetzen. Da der Neckar ein Gewässer I. Ordnung ist, sprach der Fischereiverein mit dieser Idee das Regierungspräsidium Tübingen (RPT) an. Das RPT unterstützte das Projekt und stellte 25 Tonnen Kies für die Maßnahme zur Verfügung. Doch wie die 25 Tonnen Kies in den Fluss bringen? Hier wurde der Fischereiverein kreativ und baute kurzerhand eine provisorische Rutsche, mit der das Material vom Laster in den Neckar transportiert werden konnte. Durch eine sinnvolle Idee, gute Abstimmung mit der zuständigen Behörde und fünf Stunden Arbeit von knapp 20 Vereinsmitgliedern ist dieser Neckarabschnitt jetzt viel besser als Laichplatz für Äsche, Barbe und Nase geeignet.

Seit dieser ersten Aktion ist der Kreisfischereiverein Tübingen auch weiter in diesem Bereich engagiert. Es wurden Schurren angeschafft, um den Kies in Zukunft an verschiedenen Stellen leichter in Flüsse einbringen zu können. Damit wurden weitere Kiesdepots zur weiträumigen, natürlichen Verteilung der Kiessedimente bei erhöhtem Abflussgeschehen angelegt. Wer Interesse an einem solchen Projekt hat, kann sich mit dem Kreisfischereiverein Tübingen in Verbindung setzen.

  • Zeitpunkt der Maßnahme: mehrere Maßnahmen in den Zeiträumen Januar/Anfang Februar 2022 und 2023, sowie Herbstmonate 2024 und 2025
  • Gewässername: Neckar
  • Beteiligte Gruppen: Kreisfischereiverein Tübingen, Regierungspräsidium Tübingen (Referat 53.2 – Gewässer I. Ordnung, Hochwasserschutz und Gewässerökologie Neckar-Bodensee), Fischereibehörde RP Tübingen
  • Ansprechperson: Christian Geitz (Kreisfischereiverein Tübingen)
  • christian.geitz@web.de
Renaturierung und Vitalisierung der Weinstädter Fließgewässer

© Fotos: Werner Boßler

Viele Gewässer sind heute begradigt, eingedolt und strukturarm. Doch mit relativ einfachen Maßnahmen kann das geändert werden, wie in der Gegend um Weinstadt. Nach und nach werden auf dem Gebiet der Kommunen Weinstadt und Waiblingen verschiedene Zuflüsse der Rems durch Herausbrechen der Sohlplatten, Auflockerung der anschließenden Pflasterplatten und Umschichten losgelöster Steine vielfältiger und natürlicher gestaltet. Zusätzlich zum Auflösen der Verbauung werden verschiedene Buhnen und Störsteine eingebracht. Durch diese Maßnahmen sind Strömungsverhältnisse, Ufer- und Sohlstruktur und damit der gesamte Lebensraum vielfältiger geworden. Seit 2023 wurden so ca. 4,5 km Fließgewässer umgestaltet. Im Jahr 2026 ist geplant, abschnittsweise weitere ca. 5 km Fließgewässer aus dem Betonkorsett zu befreien und naturnah zu entwickeln.

Besondere Herausforderungen und Lösungen: Es gab einige logistische Probleme, wie die große Auslastung eines geeigneten Baggers mit Bioölhydraulik bei Verleihbetrieben. Das erforderte Geduld, gute Planung und Koordination für die Umsetzung der Maßnahmen.

  • Zeitpunkt der Maßnahme: Abschnittsweise von 2023 bis geplant 2027
  • Gewässername: Nebenflüsse der Rems – Beutelsbach, Schweizerbach, Haldenbach, Strümpfelbach und Gundelsbach
  • Beteiligte Gruppen: Stadt Weinstadt in Zusammenarbeit und Abstimmung mit den örtlichen Fischereivereinen Weinstadt und Waiblingen und Naturschutzgruppen von BUND und NABU
  • Ansprechperson: Werner Boßler (Stadt Weinstadt)
  • w.bossler@weinstadt.de
Uferbepflanzung Schutter

© Fotos: Lebendige Flüsse e.V.

Viele Gewässerufer sind heute kahl und unbeschattet. In der Folge heizen sich Bäche und Flüsse insbesondere in den Sommermonaten stark auf – mit negativen Auswirkungen auf Tiere, Pflanzen und die ökologische Funktionsfähigkeit der Gewässer. Eine wirksame Maßnahme, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, sind standortgerechte Uferbepflanzungen.

Im Rahmen des Projekts UfeR-Vital des Regierungspräsidiums Freiburg wurde daher gemeinsam mit dem Gewässerbündnis Baden-Württemberg (GBBW) die Pflanzaktion „Neue Wurzeln – für die Schutter und für unser Netzwerk“ an der Schutter organisiert und durchgeführt.

Mit tatkräftiger Unterstützung von 15 Freiwilligen wurden insgesamt 32 Bäume sowie 60 Weidenstecklinge gepflanzt. So entstehen neue Beschattungsbereiche und vielfältige Lebensräume entlang der Schutter in Schuttern-Friesenheim. Außerdem wurde der Termin für einen konstruktiven Austausch zwischen den Projekten und den Ehrenamtlichen genutzt.

Unterstützt wurde die Aktion vom Zweckverband Hochwasserschutz Schuttermündung sowie der Ortsverwaltung Schuttern.

Besondere Herausforderungen und Lösungen: Entlang der Schutter befinden sich einige Schutzgebiete, wie das „FFH-Gebiet Untere Schutter und Unditz“, sowie Offenlandbiotope und Vogelschutzgebiete, weshalb eine enge Abstimmung mit der Naturschutzbehörde notwendig war. 

  • Zeitpunkt der Maßnahme: Oktober 2025
  • Gewässername: Schutter
  • Beteiligte Gruppen: UfeR-Vital, GBBW, engagierte Bürgerinnen und Bürger, Vertreterinnen und Vertreter aus Umweltverbänden und aus der Kommune
  • Ansprechpersonen: Verena Völz (UfeR-Vital), Tamara Seidl (GBBW)
  • projektbuero@gewaesserbuendnis-bw.de
    Verena.Voelz@rpf.bwl.de